Können Plastik-Straßen das touristische Paradies retten?

Können Plastik-Straßen das touristische Paradies retten?
Für viele gilt Indonesien als ein Touristenparadies - aber nur die wenigsten sind sich dessen bewusst, dass Indonesien den unrühmlichen Platz als weltweit zweitgrößter Produzent von Kunststoffabfällen belegt. Mehr Plastikmüll produziert nur China. Anstatt mit Erholung und Entspannen werden die indonesischen Inseln schon heute mit Tonnen von Abfällen assoziiert, die auf den Traumstränden herumliegen und so eins von den schönsten Orten auf Erden verunstalten.

Es wird geschätzt, dass die indonesischen Flüsse jährlich ca. 200.000 Tonnen von Abfällen in die Meere und Ozeane spülen. Dies macht mehr als 14% aller Abfälle aus, mit denen die Menschheit die Wasserökosysteme auf unserem Planeten verschmutzt. Die vier indonesischen Flüsse: Brantas, Solo, Serayu und Progo - gehören zu den 20 verunreinigten Flüssen der Welt. Sie befördern in die Weltmeeren ganze Unmengen von Kunststoffabfällen; in der o.g. Reihe sind es: 38.900 , 32.500, 17.100 und 12.800 Tonnen pro Jahr.

Zum Vergleich können wir europäische Untersuchungen heranziehen, in denen 2015 geschätzt wurde, dass der Rhein in seinen Wässern jährlich von 20 bis 31 Tonnen von Kunststoffabfällen in die Nordsee befördert, während die Donau im Jahr 530-1500 Tonnen von Plastikmüll in das Schwarze Meer transportiert. Wenn man die Menge von Kunststoffabfällen zusammenrechnet, die jährlich aus den europäischen Flüssen in die Meere gelangen, kommt man auf ca. 3.900 Tonnen.

Obwohl es in Indonesien Trinkwasserbestände gibt, deren Größe auf 6% der globalen Bestände von Trinkwasser geschätzt wird, sind diese mit Kolibakterium, Exkrementen und verschiedenen anderen Pathogenen verunreinigt. Wegen des starken Verunreinigungsgrades ist das Wasser zum Trinken untauglich geworden. Dies stellt ein großes Problem dar, zumal 80% der Bevölkerung keinen Anschluss an die Frisch- und Abwasserleitung haben. Fehlende Investitionen seitens der Regierung in den Ausbau von Wasserwerken führten dazu, dass der Großteil des Landes entweder von Flaschen- oder von abgekochtem Flusswasser abhängig ist. Deswegen benutzt man in Indonesien sehr viele Plastiktüten, -becher und -falschen. Dass Kunststoffe zu einem unerlässlichen Bestandteil des alltäglichen Lebens in Indonesien herangewachsen sind, liegt klar auf der Hand.

Die indonesische Regierung schlägt auch Alarm - um die Umwelt vor der fortschreitenden Verunreinigung zu schützen, wird eine Änderung der Abfallwirtschaft geplant. Die Regierung hat sich dazu verpflichtet, jährlich 1 Mrd. USD für ein Programm zu bestimmen, dessen Ziel es ist, die Unmengen an Plastikmüll, die die Trinkwasserquellen in Indonesien verschmutzen, drastisch zu reduzieren. Der indonesische Meeres- und Fischereiminister Luhut Binsar Pandjaitan hat themenbezogen ein entsprechendes Manifest während des Welt-Ozean-Gipfels, der im Februar 2017 auf Bali stattgefunden hat, vorgelegt. Das Manifest wurde später auch vom indonesischen Präsidenten Joko Widodo während des G-20-Treffens im selbigen Jahr bestätigt.

Am erwähnten Gipfel kündigte Pandjaitan an, dass Indonesien innerhalb von acht Jahren die Menge der Kunststoffabfällen, die in die Meere gelangen, um 70% reduzieren wird. Die folgenden Gegenmaßnahmen sollen dabei helfen: staatliche Förderungen für Forschungen an bioabbaubaren Stoffen zur Herstellung von Kunststoffersatzmittel, Besteuerung von Plastiktüten und eine Gesellschaftskampagne zur Steigerung des Umweltbewusstseins von der Bevölkerung.

"Kunststoffabfälle, die die Strände und Flussufern bedecken, haben offensichtlich einen zerstörerischen Einfluss auf die Meeresökosysteme. Diese unästhetischen Anblicke können darüber hinaus noch den indonesischen Tourismus vernichten", äußerte sich Pandjaitan anfangs 2017.

Außer der erwähnten Gesellschaftskampagne, neuen Steuern und der Entwicklung von neuen Biokunststoffen aus Maniok und Meerestang hat die indonesische Regierung noch ein weiteres Projekt im Rahmen der Abfallwirtschaft in die Wege geleitet: die Kunststoffabfälle sollen von nun an als Rohstoffe zur Herstellung von Straßen Gebrauch finden.