Automobilindustrie in Asien setzt verstärkt auf neue Technologien

Automobilindustrie in Asien…
Wohin entwickelt sich der chinesische Automobilmarkt? Welche weiteren Herausforderungen stellt die Elektromobilität? Und wo eröffnen sich neue Chancen für die Zulieferer in Asien? - Diese und weitere Fragen diskutierten die mehr als 300 Teilnehmer der zweitägigen Automobilkonferenz trend.scaut 2018, zu der der Spritzgießmaschinenbauer und Systemexperte Engel Ende Oktober nach Shanghai eingeladen hatte.

Zum ersten Mal fand der Engel trend.scaut parallel zur FUMOTec, der internationalen Fachmesse für Automotive Engineering und Future Mobility, im Shanghai World Expo Exhibition & Convention Center statt, wodurch die Konferenz eine besonders hohe Aufmerksamkeit erfuhr. "Es haben sich einige Messebesucher, die Engel und den trend.scaut bis dahin nicht kannten, spontan angemeldet", berichtet Gero Willmeroth, President East Asia and Oceania von Engel mit Sitz in Shanghai. Unter den Teilnehmern waren vor allem Entwicklungs- und Produktionsleiter sowie Geschäftsführer sowohl chinesischer als auch internationaler Unternehmen, was ebenfalls zum großen Erfolg der Veranstaltung beitrug. "Wir haben anhand konkreter Anforderungen der Produzenten vor Ort neue Technologien und Zukunftschancen diskutiert und konnten die Themen zugleich im internationalen Kontext spiegeln." Das Vortragsprogramm war hochkarätig besetzt. Die Referenten kamen unter anderem von Volvo und Nobo (Mitglied der Great Wall Motor Company), Continental und Ecorea sowie von JSC Automotive, ExxonMobil, Sabic und Engel.

Schon die ersten Präsentationen machten deutlich, dass sich der Automobilmarkt in Asien weiterhin mit einer besonderen Dynamik entwickelt. "In China konkurrieren inzwischen über 100 Fahrzeugmarken", verdeutlicht Dr. Norbert Müller, Leiter des Engel Technologiezentrums für Leichtbau Composites, die Situation. Elektrofahrzeuge stehen im Fokus. Eine weitere Entwicklung ist, dass renommierte chinesische Anbieter ihre Produkte auch im Premium-Segment platzieren. "Für den Markteintritt neuer Technologien ergeben sich wichtige Chancen", fasst Müller beide Trends zusammen und machte dies in seinem Vortrag am Beispiel innovativer Composite-Technologien fest. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt Müller neue, besonders wirtschaftliche Verfahren für den Faserverbundleichtbau in der Großserie und deckt dabei ein breites Technologiespektrum ab: Von HP-RTM und SMC über die Verarbeitung von thermoplastischen Halbzeugen wie Organoblechen und Tapes bis hin zu innovativen reaktiven Technologien wie In-situ-Polymerisation (T-RTM). "Neu ist, dass sich auch die Composite-Hersteller in Asien verstärkt mit thermoplastbasierten Lösungen befassen", so Müller. "Die Möglichkeit, thermoplastische Composite-Werkstoffe unmittelbar nach der Formgebung im selben Werkzeug mittels Spritzguss zu funktionalisieren, kann entscheidende Zeitvorteile sichern."

Produktivität und Effizienz im Fokus

Dass eine hohe Produktivität und Effizienz in der Automobilindustrie stärker als in anderen Branchen über die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg entscheiden, ist keine neue Erkenntnis. Gerade in Asien könnte sich die Situation aber noch einmal verschärfen, spätestens 2020, wenn die Förderungen für Elektrofahrzeuge auslaufen. In den Vorträgen und in der Podiumsdiskussion, aber auch in kleineren Runden am Rande kam dieses Thema immer wieder zur Sprache. Es wurden verschiedene Zukunftsszenarien entworfen, doch eine einheitliche Meinung gibt es unter den Experten nicht. Nach Ansicht von Jochen Siebert, Geschäftsführer der auf den chinesischen Automobilmarkt spezialisierten Unternehmensberatung JSC Automotive, befindet sich die Branche bereits heute in einem Transformationsprozess, der die dynamische Marktentwicklung bremsen und zu einer Konsolidierung führen könnte. Ein weiteres Szenario ist, dass Hybridfahrzeuge schneller zulegen als Elektromobile.

Prozessintegration und Automatisierung rücken mit dem steigenden Effizienzdruck noch stärker in den Mittelpunkt. "Wir liefern zunehmend Mehrkomponentenmaschinen nach Asien", bestätigt Michael Fischer, Leiter Business Development Technologien von Engel am Stammsitz in Österreich. Vorrangig sind es die Bereiche Automotive Lighting und Interior, für die Engel immer öfter integrierte Systemlösungen inklusive Prozesstechnologie, Automatisierung und weiterer Peripherie entwickelt. "Wenn wir von Beginn an alle Prozessschritte und Anlagenkomponenten exakt aufeinander abstimmen, können wir sowohl die Effizienz- als auch die Qualitätspotenziale besonders gut ausschöpfen", sagt Fischer.


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